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Die Hansens: Zwischen Kindergeschrei und Gitarrenriffs
#1
Um das Forum mit etwas Leben zu füllen habe ich mir überlegt, eine Fortlaufende Geschichte einer Familie zu erzählen. 

Im ersten Teil stelle ich euch die Familie vor. In Unregelmäßigen Abständen werde ich die Geschichte weiter erzählen. Nach jedem Part dürft ihr gerne euren Kommentar posten und so eventuell an der Entwicklung der Geschichte Teilhaben. 

Part I: Die Familie

Im Zentrum unserer Geschichte steht Lukas, ein Mann Mitte vierzig, dessen äußere Erscheinung Bände spricht. Mit seinem dichten, bereits leicht ergrauten Vollbart und den tätowierten Armen, auf denen sich die Logos längst aufgelöster Underground-Bands verewigen, wirkt er wie der Prototyp eines Metalheads. Wenn er morgens in seinem Büro als IT-Projektleiter sitzt, versteckt er die Bandshirts meist unter einem dezenten Hemd, doch seine Leidenschaft für donnernde Double-Bass-Gewitter und verzerrte Gitarren kann er nie ganz ablegen. Lukas liebt die Ruhe eines perfekt produzierten Albums und das Gefühl, wenn seine Gibson Les Paul schwer an seiner Schulter hängt. Was er hingegen absolut nicht leiden kann? Unzuverlässigkeit, schlechtes Kabelmanagement und die Tatsache, dass er beim Autofahren mit der Familie meistens Kinderradio statt Slayer hören muss.

Die starke Säule an seiner Seite ist Sarah. Sie ist ein paar Jahre jünger als Lukas und arbeitet als leidenschaftliche Physiotherapeutin. Mit ihren wachen, grünen Augen und den meist zu einem praktischen Dutt hochgesteckten Haaren strahlt sie eine Ruhe aus, die Lukas oft fehlt. Sarah teilt zwar seine Liebe zur Musik – sie haben sich damals im Moshpit kennengelernt –, doch ihr Fokus liegt heute auf der Organisation des Familien-Wahnsinns. Sie liebt lange Wanderungen im Wald und ein gutes Glas Rotwein am Abend. Ihre Abneigung gilt vor allem der chronischen Unordnung im Proberaum-Keller und Lukas’ Angewohnheit, neue Effektpedale als „lebensnotwendige Haushaltsinvestition“ zu tarnen.

Dann ist da der Nachwuchs, der das Haus erst richtig mit Leben füllt:

Die älteste ist die 14-jährige Sophie. Sie ist mitten in der Pubertät und hat das rebellische Gen ihres Vaters geerbt – allerdings auf ihre eigene Weise. Mit ihren schwarz gefärbten Haaren und dem permanenten Blick aufs Smartphone ist sie eine Meisterin des Sarkasmus. Sophie liebt Dark Wave und alles, was ästhetisch „düster“ ist, sehr zum Amüsement von Lukas. Sie hasst es, wenn man sie wie ein Kind behandelt oder wenn ihr Vater versucht, vor ihren Freunden „cool“ zu sein, indem er laut Black Metal hört.

Der mittlere Sohn, der 9-jährige Leon, ist das genaue Gegenteil. Er ist ein Energiebündel mit ständig zerzausten blonden Haaren und aufgeschlagenen Knien. Seine Welt besteht aus Fußball und der festen Überzeugung, dass er eines Tages der schnellste Schlagzeuger der Welt wird. Er trommelt auf allem herum, was nicht niet- und nagelfest ist – sehr zum Leidwesen der Nachbarn. Leon liebt Actionfiguren und hasst Brokkoli sowie Hausaufgaben, die ihn vom Üben an seinem (elektronischen) Schlagzeug abhalten.

Das Schlusslicht bildet die kleine Mia, gerade einmal 4 Jahre alt. Mit ihren großen Kulleraugen und den Vorliebe für pinke Glitzer-Kleider ist sie der absolute Sonnenschein der Familie. Sie liebt es, wenn Lukas ihr auf der Akustikgitarre Schlaflieder vorspielt, auch wenn diese oft verdächtig nach heruntergepeitschten Balladen von Metallica klingen. Mia hasst es, wenn es im Haus zu laut wird, und bekommt sofort schlechte Laune, wenn ihr geliebter Plüschdrache „Grim“ unauffindbar ist.

Ende Part I

In ein paar Tagen geht es weiter ...
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#2
Part II: Montag morgens im Hause Hansens:

Der Montagmorgen bei den Hansens beginnt nicht mit einem sanften Vogelgezwitscher, sondern mit dem unerbittlichen digitalen Hämmern von „Raining Blood“. Um Punkt 05:00 Uhr schießt Lukas’ Hand unter der Bettdecke hervor und tastet panisch nach dem Smartphone auf dem Nachttisch. Ein kurzer Blick zur Seite: Sarah hat sich tiefer in ihr Kissen vergraben. Sie hat die Gabe, das musikalische Massaker des Weckers zu ignorieren, solange er es innerhalb von fünf Sekunden zum Schweigen bringt.
Lukas schält sich aus dem Bett. Sein Rücken knackt – ein Andenken an das letzte Konzert am Samstag, bei dem er drei Stunden lang die schwere Gibson getragen hat. In der Küche herrscht die heilige Stille vor dem Sturm. Während die Kaffeemaschine gurgelt, starrt Lukas aus dem Fenster in die graue Morgendämmerung. Das ist seine einzige „Me-Time“ des Tages. Er nutzt die zehn Minuten, um im Kopf die Setlist für die nächste Probe durchzugehen und kurz zu vergessen, dass er gleich Excel-Tabellen statt Power-Chords bändigen muss.

Um 06:30 Uhr endet die Idylle abrupt. Der „Generalangriff“, wie Lukas es nennt, beginnt.
Zuerst wird Mia wach. Sie tappst im glitzernden Nachthemd in die Küche, den Plüschdrachen „Grim“ fest im Arm. „Papa, Hunger!“, ist ihr einziger Kommentar. Lukas schmiert das erste Butterbrot des Tages, während Sarah nun auch auf der Bildfläche erscheint, bereits in ihren Outfits für die Praxis. „Hast du die Sporttasche für Leon fertig?“, fragt sie im Vorbeigehen, während sie Sophie zum dritten Mal aus dem Zimmer ruft.

Gegen 07:15 Uhr erreicht der Lärmpegel die Dezibelstärke eines Clubkonzerts. Leon ist mittlerweile hellwach und nutzt zwei Kochlöffel, um auf der Frühstückscerealien-Packung einen schnellen 4/4-Takt zu trommeln. Sophie erscheint endlich am Tisch, die Kopfhörer fest auf den Ohren, und würdigt die Anwesenheit ihrer Familie keines Blickes. „Sophie, nimm die Dinger ab, wir essen“, brummt Lukas. Ein genervtes Augenrollen ist die einzige Antwort, aber die Kopfhörer wandern um den Hals.
„Wo ist mein linker Schuh?“, brüllt Leon plötzlich durch den Flur. „Hast du den Müll rausgebracht?“, fragt Sarah, während sie Mia die Haare flicht. Lukas steht mittendrin, nippt an seinem mittlerweile lauwarmen Kaffee und versucht, die Ruhe zu bewahren. Er findet den Schuh (unter dem Sofa), den Müll (den er beim Rausgehen mitnimmt) und sogar Sophies Mathebuch, das sie „ganz sicher nie besessen hat“.

08:15 Uhr: Der große Aufbruch. Mia wird in den Kindergarten gebracht, Leon stürmt mit dem Ranzen zum Schulbus, und Sophie verschwindet mit einem knappen „Tschüss“ in Richtung Gymnasium.

Um 09:00 Uhr stehen Lukas und Sarah schließlich vor der Haustür. Die Stille kehrt so plötzlich zurück, dass es fast in den Ohren wehtut. Sarah gibt ihm einen schnellen Kuss. „Vergiss nicht, heute ist Probe. Sei nicht zu spät zum Abendessen zurück, okay?“ Lukas nickt, wirft seine Tasche auf den Beifahrersitz und startet den Wagen. Als der Motor anspringt, schiebt er automatisch die CD in den Schlitz. Bevor er auf das Firmengelände rollt, braucht er noch mindestens ein Lied lang volle Dröhnung, um den Montags-Blues zu vertreiben.

Ende Part II
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